Do.. Nov. 5th, 2026

Bei der Just-in-Time-Beschaffung (JIT), also der fertigungssynchronen Beschaffung, gelangen die Werkstoffe sofort nach der Lieferung in den Produktionsprozess. Werden die Werkstoffe sogar in der Reihenfolge angeliefert, in der sie bearbeitet werden, spricht man von der Just-in-Sequence-Anlieferung (JIS). Lagerbestände sollen nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen. So können Kapitalbindungskosten und andere Kosten, die mit der Lagerhaltung verbunden sind, gesenkt werden. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass z.B. aufgrund von höheren Transportkosten des Lieferanten auch die Bezugspreise steigen können.

Bei der Verwirklichung von Just-in-Time-Anlieferung und Just-in-Sequence-Anlieferung sind bestimmte Voraussetzungen zu beachten.

Zwingend erforderlich ist eine enge Abstimmung der Material- und Informationsflüsse zwischen Lieferant und Hersteller durch leistungsfähige DV-Systeme. So sollten beispielsweise Lieferabrufe, die in das DV-System des Herstellers eingegeben werden, direkt im DV-System des Lieferanten angezeigt werden. In der Automobilindustrie wird beispielsweise realisiert, dass beim Lieferanten morgens die Sitze in der Reihenfolge produziert und auf den LKW des Spediteurs verladen werden, wie sie am Nachmittag im Automobilwerk eingebaut werden.

Darüber hinaus sind eine möglichst exakte Vorhersagbarkeit der Materialbedarfs sowie gleichbleibende Liefermengen nötig, da auch der Flexibilität der Lieferanten Grenzen gesetzt sind.

Zudem erfordert die Just-in-Time-Anlieferung eine pünktliche Lieferung und einen hohen Qualitätsstandard, denn für Nacharbeit von fehlerhaften Lieferungen besteht bei Just-in-Time-Anlieferung kein Spielraum mehr. Durch den weitgehenden Wegfall der Wareneingangskontrolle findet eine Verlagerung der Qualitätskontrolle auf die Lieferanten statt.

Da fehlende oder fehlerhafte Lieferungen zu Produktionsstillstand führen können, müssen besonders zuverlässige Lieferanten ausgewählt werden, die über ein entsprechendes Know-how im Logistikbereich verfügen. In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, langfristige Rahmenverträge anzubieten, die dem Lieferanten Planungssicherheit geben und damit die JIT-Anlieferung auch für den Lieferanten attraktiv machen. Auf der anderen Seite sind in diesen Verträgen die exakte Einhaltung der Liefertermine festzuschreiben und die rechtlichen Konsequenzen aufzuzeigen, falls diese nicht eingehalten werden, z.B. durch die Festlegung von hohen Konventionalstrafen.

Die Just-in-Time-Anlieferung beinhaltet i.d.R. folgende Phasen:

  • Phase 1 – Teileauswahl: Für die JIT-Anlieferung eigenen sich insbesondere Werkstoffe mit hohem Verbrauchswert (sogenannte A-Güter) und einer hohen Vorhersagegenauigkeit (sogenannte X-Güter).
  • Phase 2 – Lieferantenauswahl: Für die JIT-Anlieferung müssen besonders zuverlässigen Lieferanten gefunden werden, mit denen vertrauensvoll zusammengearbeitet werden kann.
  • Phase 3 – Abschluss von Rahmenverträgen: Die Verträge beinhalten Lieferungs- und Zahlungsbedingungen sowie die Mengen, die der Käufer innerhalb der Vertragsfrist abnehmen möchte. Sie werden zumeist über einen Zeitraum von 12 bis 18 Monaten abgeschlossen. Danach erfolgt eine Aktualisierung aufgrund der Bedarfsprognosen.
  • Phase 4 – Lieferabruf durchführen: Hier werden Liefermenge, Liefertermin und Lieferort mithilfe moderner DV-Systeme konkret festgelegt. Der Vorlauf beträgt etwa zwei Wochen.

Ergänzende Konzepte

Im Rahmen der Just-in-Time-Anlieferung kann es zu Problemen wie unpünktlichen Lieferungen durch hohes Verkehrsaufkommen und tendenziell höheren Transportkosten durch viele nicht ausgelastete Fahrten kommen. Um diese Probleme zu verringern, sind im Laufe der Zeit mehrere Konzepte entwickelt worden, die insbesondere durch die Automobilindustrie genutzt werden:

JIT-LagerEin JIT-Lager ist ein vom Lieferanten betriebenes Lager in räumlicher Nähe zum Hersteller. Die kurze Transportentfernung vom JIT-Lager zum Werk des Herstellers gewährleistet eine hohe Liefertermintreue. Der Transport der Werkstoffe zum JIT-Lager kann z.T. umweltfreundlich mit der Bahn im kombinierten Verkehr durchgeführt werden. Die Einrichtung eines JIT-Lagers lohnt sich allerdings erst ab einer hohen Anlieferungsfrequenz und einer recht weiten Entfernung zwischen Lieferant und Kunde.
IndustrieparkUnter einem Industriepark, auch Lieferantenpark genannt, wird eine gemeinschaftliche Ansiedlung von Lieferanten eines Herstellers in der Nähe des Produktionsstandortes verstanden. Die einzelnen Lieferanten arbeiten selbstständig, können aber z.B. gemeinsame Büroräume nutzen.
Konsignations-lagerStellt der Hersteller im eigenen Werk Lagermöglichkeiten für den Lieferanten zur Verfügung, spricht man von einem Konsignationslager. Der Lieferant ist für die Lieferbereitschaft zuständig. Voraussetzung hierfür ist, dass der Lieferant über den mittelfristigen Bedarf Bescheid weiß. Die Werkstoffe können „just in time“ entnommen und für die Produktion verwendet werden.
Milkrun-SystemBeim Milkrun-System werden auf einer definierten Tour Lieferanten des Herstellers vom Spediteur angefahren. Hierbei wird eine festgelegte Strecke mit vorgegebenen Abholzeiten und Mengen eingehalten. Die gesammelten Güter werden „just in time“ beim Hersteller angeliefert.

Quellen:

Schmidthausen M., Lernsituationen Kompetenz im Industriebetrieb, Band 1, Merkur Verlag, Rinteln

Seeberger, K.M., Industrie 4.1, Beschaffungsprozesse planen, steuern und kontrollieren, Lernfeld 6, Europa Lehrmittel

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