Mi.. Aug. 5th, 2026

Um den Sekundärbedarf an Teilen bestimmen zu können, ist zunächst festzulegen, aus welchen Teilen sich das fertige Produkt zusammensetzt und wie oft jedes Teil für die Herstellung eines Erzeugnisses benötigt wird. In den meisten Betrieben ist das Team oder die Abteilung Arbeitsvorbereitung dafür zuständig.

Die notwendigen Informationen, wie sich die Produkte zusammensetzen und welche Baugruppen oder Bauteile enthalten sind erhält man aus Stücklisten oder Konstruktionszeichnungen.

Materialbedarf in Abhängigkeit der Lagerbestände

  • Bruttobedarf: Menge an Material (Primär-, Sekundär- und Tertiärbedarf), die für die Fertigung während der Periode benötigt werden.
  • Nettobedarf: Menge des tatsächlich noch zu beschaffenden Materials (Bruttobedarf – Lagerbestand).

Materialbedarf nach Erzeugnisebene

  • Primärbedarf: Bedarf an verkaufsfähigen Erzeugnissen (z.B. Tische).
  • Sekundärbedarf: Bedarf an Komponenten zur Herstellung des Primärbedarfs (z.B. Holzplatten).
  • Tertiärbedarf: Bedarf an Hilfs- und Betriebsstoffen (z.B. Kleber)


Beispiel

Bruttoprimärbedarf: Ein Auftrag über 150 Tische liegt vor.

Nettoprimärbedarf: Für den Auftrag liegen schon 40 Tische auf Lager: 150 – 40 = 110

Bruttosekundärbedarf: Für den Auftrag werden 4 Tischbeine je Tisch benötigt, also 600 Tischbeine.

Nettosekundärbedarf: 50 Tischbeine liegen auf Lager und 100 sind bereits bestellt: 600 – 150 = 450.


BestandsartErläuterung
BestellbestandBestand, der bereist bestellt, aber noch nicht am Lager verbucht ist.
Verfügbarer LagerbestandBestand, der im Lager zur Verfügung steht: Effektiver Lagerbestand – Sicherheitsbestand – reservierter Bestand.
Reservierter BestandLagerbestand, der bereits für die Produktion eingeplant ist und nicht zur Verfügung steht.
SicherheitsbestandLagerbestand, der ausschließlich Notfällen dient und nicht zur Verfügung steht.
BestandsartErläuterung
Disponierbarer LagerbestandDer mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Fertigung verwendbare Bestand: Bestellbestand + verfügbarer Bestand.
Effektiver LagerbestandDer physisch am Lager vorhandene, aber nur zum Teil für die Fertigung freigegebene Bestand: Sicherheitsbestand + reservierter Bestand + verfügbarer Lagerbestand

Da erfahrungsgemäß Ausschuss oder Verschnitt anfällt, muss oft auch ein Zusatzbedarf berücksichtigt werden. Seine Höhe ergibt sich aus Erfahrungswerten.

Bei der Berechnung des Primär- sowie des Sekundärbedarfs kann folgendes Berechnungsschema angewendet werden:

Bruttobedarf
+Zusatzbedarf
=Gesamtbruttobedarf
effektiver Lagerbestand
Bestellbestand
+reservierter Lagerbestand
+Sicherheistbestand
=Nettobedarf

Hierfür werden folgende Verfahren angewendet:

Bedarfsgesteuertes VerfahrenBedarfsermittlung auf Basis von vorliegenden Aufträgen. Geeignet für A-Teile.
Verbrauchsgesteuertes VerfahrenBedarfsermittlung aus Basis von Verbrauchswerten der Vergangenheit. Geeignet für B- oder C-Teile.
SchätzverfahrenBedarfsermittlung Basis von qualifizierten subjektiven Schätzungen von Disponenten. Geeignet für C-Teile.

Quelle: Industrie 4.1, Beschaffungsprozesse planen, steuern und kontrollieren, Lernfeld 6, Verlag Europa-Lehrmittel

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