Mi.. Aug. 5th, 2026

Soll das Ziel der Kostenminimierung in der Beschaffung verfolgt werden, müssen gleichzeitig die Beschaffungs- und die Lagerkosten so gering wie möglich gehalten werden. Da die beiden Kosten sich gegensätzlich verhalten und somit konkurrierende Ziele darstellen, gilt es einen Kompromiss zu finden.

Die optimale Bestellmenge ist die Menge, bei der die Summe der Beschaffungskosten und der Lagerhaltungskosten für ein Material ein Minimum aufweist.

Beispiel

Folgende Informationen liegen vor:

Jahresbedarf9.000 St.
Preis pro Stück10,60 Euro
Bestellkosten pro Bestellung90 Euro
Lagerhaltungskostensatz20%
Mindestbestand50 St.

Die optimale Bestellmenge kann nun wie folgt ermittelt werden:

Bei einem Jahresbedarf von 9.000 St. können 30-mal im Jahr 300 St. bestellt werden. Senkt man die Bestellhäufigkeit um 5 so nähert man sich langsam der optimalen Bestellhäufigkeit an.


    \[\text{Bestellmenge: } 9000 \text{ St.} \div 30 = 300\]

Jede Bestellung kostet 90 Euro. Multipliziert man die Bestellhäufigkeit der Periode mit diesem Wert, erhält man die gesamten Bestellkosten der Periode:

    \[\text{Bestellkosten gesamt: } 90 \text{ EUR} \cdot 30 = 2.700 \text{ EUR}\]

Der durchschnittliche Lagerbestand ergibt sich, in dem man die Hälfte der Bestellmenge ermittelt und zum Mindestbetsnad hinzuaddiert, sofern ein Mindestbestand bekannt ist.

    \[\text{Durchschnittlicher Lagerbestand (in Stück): } \frac{300}{2} + 50 = 200 \text{ Stück}\]

Wertmäßig muss der durchschnittliche Lagerbestand mit dem Preis pro Einheit multipliziert werden:

    \[\text{Durchschnittlicher Lagerbestand (in EUR): } 200 \text{ Stück} \cdot 10,60 \text{ EUR} = 2.120 \text{ EUR}\]

Die Lagerhaltungskosten ergeben sich nun, indem der wertmäßige durchschnittliche Lagerbestand mit dem Lagerhaltungskostensatz multipliziert wird:

    \[\text{Lagerhaltungskosten: } 2120 \text{ EUR} \cdot 20\% = 424 \text{ EUR}\]

Die Gesamtkosten der Bestellmenge ergeben sich aus den Bestellkosten und den Lagerhaltungskosten:

    \[\text{Gesamtkosten: } 2700 \text{ EUR} + 424 \text{ EUR} = 3.124 \text{ EUR}\]

Wiederholt man diese Rechnung mit veränderter Anzahl an Bestellungen, erhält man folgende Tabelle, aus der man ein Optimum ablesen kann.

Anstelle der Entscheidungstabelle kann die optimale Bestellmenge auch mithilfe der folgenden Formel ermittelt werden:

    \[\sqrt{\frac{200 \cdot \text{Jahresbedarf} \cdot \text{Bestellkosten je Bestellung}}{\text{Preis/Einheit} \cdot \text{Lagerhaltungskostensatz}}}\]

Kritische Betrachtung

Nicht immer macht es Sinn, die rechnerisch optimale Bestellmenge auch tatsächlich zu bestellen. Gründe hierfür können sein:

  • Lagerengpässe
  • Kosten und Bedarf ändern sich im Zeitaublauf
  • Finanzielle Mittel reichen für eine große Bestellmenge nicht aus
  • Lieferer Gibt Mindestsabnahmenmenge vor
  • Lieferer bietet nur feste Verpackungseinheiten
  • Preiserhöhungen sind zu erwarten
  • Werkstoff ist nur begrenzt lagerfähig (Mindesthaltbarkeitsdatum)

Eine flexible Bestellmengenplanung kann für einige Beschaffungsgüter bzw. Märkte besser geeignet sein, auch wenn sie u.U. aufwendiger ist.


Quelle: Industrie 4.1, Beschaffungsprozesse planen, steuern und kontrollieren, Lernfeld 6, Verlag Europa-Lehrmittel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert