Mi.. Aug. 5th, 2026

Eine Bestellung kann nach unterschiedlichen Verfahren organisiert sein. Es gibt drei Verfahren, wie eine Bestellung ausgelöst werden kann.

Bedarfsbezogene Bestellung

Die Bedarfsbezogene Bestellung ist die einfachste Art der Auslösung. Material wird erst dann bestellt, wenn ein Bedarf vorliegt, d.h., wenn aufgrund eines konkreten Auftrages die benötigten Mengen durch eine Bedarfsermittlung bekannt sind.

Bei diesem Verfahren gibt es in der Regel keine Lagerhaltung. Daher vergeht vom Zeitpunkt der Bestellung bis zur Verfügbarkeit des Materials die volle Wiederbeschaffungszeit.

Die bedarfsbezogene Bestellung wird meistens bei teuren Materialien (A-Teile der ABC-Analyse), die einen stark schwankenden Bedarf aufweisen, angewendet. Die Ermittlung des Bedarfs erfolgt aus der Stücklistenauflösung (deterministisch). (Siehe auch Stücklisten).

Terminbezogene Bestellung

Die terminbezogene Bestellung wird mithilfe des Bestellrhythmusverfahrens durchgeführt. Die benötigte Menge der Teile wird in regelmäßig festgelegten Abständen bestellt. Der aktuelle Lagerbestand hat bei diesem Verfahren keinen direkten Einfluss auf die Bestellauslösung. Bei der terminbezogenen Bestellung findet nur in regelmäßigen Abständen eine Bestandsprüfung statt. Hierbei wird kontrolliert, ob ein festgelegter Auslösebestand erreicht ist. Ist dies der Fall, wird eine Bestellung ausgelöst – wenn nicht, wird der Bestellzeitpunkt übersprungen.

Durch das Bestellrhythmusverfahren wird der Aufwand für den Einkauf die Disposition erheblich reduziert und es ist in der Anwendung vorteilhaft, wenn keine großen Verbrauchsschwankungen der jeweiligen Teile auftreten, also vor allem für X-Güter.

Bestandsbezogene Bestellung

Die bestandsbezogene Bestellung wird nach dem Bestellpunktverfahren ausgeführt. Bei diesem Verfahren wird nach jedem Lagerabgang kontrolliert, ob der Zeitpunkt für eine Nachbestellung erreicht ist. Wird der Meldebestand bzw. der Bestellzeitpunkt erreicht, löst der Disponent eine neue Bestellung aus. Beim Einsatz eines PPS-Systems erfolgt die Bestellauslösung durch das System und es kann eine automatische Bestellabwicklung erfolgen.

Zusammenfassung des Bestellpunktverfahrens…

Beim Bestellpunktverfahren wird mit jeder Entnahme geprüft, ob damit der Meldebestand unterschritten wurde, ist dies der Fall, wird eine Nachbestellung ausgelöst. Die Auffüllmenge ist dabei variabel, da aus Gründen der Vorsicht immer bis zum Höchstbestand aufgefüllt wird.


Beispiel Meldebestand

Der Tagesbedarf schwank, beträgt aber nicht mehr als 4 Elektromotoren. Der Mindestbestand wurde so dimensioniert, dass er für mindestens 2 Tage reicht, also 8 Stück. Die Wiederbeschaffungszeit beträgt 4 Tage. Bei einem maximalen Tagesbedarf von 4 Stück ermittelt sich der Meldebestand wie folgt:


(1)   \begin{equation*}\text{Meldebestand} = \text{Mindestbestand} + \text{Tagesverbrauch} \cdot \text{Wiederbeschaffungszeit}\end{equation*}


(2)   \begin{equation*}\text{Meldebestand} = 8 \text{ Stück} + 4 \text{ Stück} \cdot 4 \text{ Tage}\end{equation*}


(3)   \begin{equation*}\text{Meldebestand} = 8 \text{ Stück} + 16 \text{ Stück} = 24 \text{ Stück}\end{equation*}


Die Bestellmenge sollte bis zum Eintreffen einer neuen Lieferung ausreichen und den Sicherheitsbestand nicht angreifen. Da zum Lieferzeitpunkt nicht gleichzeitig eine neue Bestellung erfolgt, muss mit der benötigten Menge in der Wiederbeschaffungszeit noch ein Vorrat an Teilen für den Verbrauch zwischen Lieferung und Bestellung hinzugerechnet werden.

Erläuterungen

Mindestbestand (Sicherheitsbestand)Er dient der Abdeckung von Bestands-, Bedarfs- und Bestellunsicherheiten. Er steht nur für unvorhergesehene Ereignisse zur Verfügung und darf daher nicht zur laufenden Disposition verwendet werden.
MeldebestandErreicht der Lagerbestand diese Bestandshöhe, dann ist eine neue Bestellung auszulösen.
HöchstbestandEr gibt an, welcher Bestand maximal eingelagert wird. Der Höchstbestand wird immer nach Eintreffen der bestellten Ware erreicht.
WiederbeschaffungszeitSumme der Zeitbedarfe für die eigene Überlegungszeit (z.B. Lieferantenauswahl, Durchführung der Bestellung, Transportzeit, Lieferzeit, Zeit für Materialeingangskontrolle, Einlagerung)
BestellzeitpunktZeitpunkt zu welchem bestellt werden muss, um die Versorgung während der Wiederbeschaffungszeit sicherzustellen. Er ergibt sich mit dem Erreichen des Meldebestands.
AuffüllmengeEs handelt sich um die Menge, die bestellt werden muss, um das Lager zum Höchstbestand aufzufüllen. Da die Lagerabgangsrate schwankt, ist die erforderliche Auffüllmenge variabel.

Vor- und Nachteile der Bestellverfahren

BestellpunktverfahrenBestellrhythmusverfahren
Es handelt sich um eine sehr sichere Strategie. Dadurch, dass mit jeder Entnahme geprüft wird, ob der Meldebestand erreicht ist, ist auch die Gefahr der Unterdeckung sehr gering.Es wird nur in festen Zeitintervallen nachbestellt.
Es ist geeignet für Güter, bei denen ein hoher Servicegrad verlangt wird.Muss mit unregelmäßigem Bedarf gerechnet werden, besteht sowohl die Gefahr der Unterdeckung als auch das Risiko, dass der Höchstbestand überschritten wird.
Wird bis auf die Lagerobergrenze aufgefüllt, dann führt dies tendenziell zu hohen Beständen.Das Verfahren ist nur sinnvoll, wenn die Lagerabgangsraten relativ konstant sind.
Der Kontrollaufwand ist relativ hoch.Der Verwaltungsaufwand ist gering.
Durch ständige Bestandskontrolle ist das Verfahren im besonderen Maße geeignet für Güter mit unregelmäßigem Bedarf.

Quellen:

  • Wieneke, Falco und Schmidt, Joachim, Produktionsmanagement, 5. Auflage, Verlag Europa-Lehrmittel
  • Boller, et al., Kompetenz im Industriebetrieb, Merkur Verlag

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